Redelisten

Vorweg: Formale Maßnahmen wie Redelisten sind keine Allheilmittel. Sie wirken nur unterstützend und müssen immer auch begleitet und ergänzt werden von Reflexionsprozessen auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene.

Es gibt für unterschiedliche Situationen und je nach Zusammensetzung der Teilnehmer*innen unterschiedliche Arten von Redelistenführung, deren Einsatz jeweils diskutiert und eventuell angepasst werden muss. Wir arbeiten – nicht immer, aber von mal zu mal – mit folgenden hier kurz vorgestellten Formen:

Einfach-quotierte Redelisten (nach männlich*/weiblich*):

Es lässt sich empirisch feststellen (ihr könnt gerne in verschiedenen Diskussionen oder auch Seminaren Redezeiten/Zahl der Redebeiträge von männlichen Rednern* und weiblichen Rednerinnen* messen und gucken, welche Gruppe mehr Zeit und Raum beansprucht), dass Männer* oft ein dominanteres Redeverhalten an den Tag legen als Frauen*. Dieses antrainierte Verhalten lässt sich nur schwer ändern, weshalb sich formale Verfahren anbieten, hier für mehr Ausgleich zu sorgen. Ein Beispiel sind quotierte Redelisten: Stehen sowohl Frauen* und Männer* auf der Redeliste, werden sie abwechselnd drangenommen (mehr dazu hier). Wir ziehen der einfach-quotierten Redeliste eigentlich immer die doppelt-quotierte (siehe unten) vor.

Balancierte Redelisten:

Redeverhalten macht sich aber keinesfalls nur an Geschlechtsidentitäten fest. Auch Menschen, die im Debatten-Führen ungeübt sind, werden von dominantem Redeverhalten ausgebremst und abgeschreckt. Sie wollen oft direkt auf Redebeiträge reagieren, die gerade gehalten wurden. Wenn nun jedoch noch fünf andere Menschen auf der Liste stehen, vergessen ungeübte Redner*innen oft, was sie sagen wollten. Hier kommt die balancierte Redeliste ins Spiel: Personen, die bislang wenig geredet haben, werden vor denen dran genommen, die schon viel geredet haben (mehr dazu hier).

Doppelt-quotierte Redeliste (nach Erstredner*innen und nach männlich*/weiblich*):

Wie bei der einfach-quotierten Redeliste werden: Stehen sowohl Frauen* und Männer* auf der Redeliste, werden sie abwechselnd drangenommen. Meldet sich jemand, der noch nie geredet hat, wird diese Person direkt vorgezogen, wobei weibliche Erstrednerinnen* nochmals männlichen Erstrednern* vorgezogen werden.

Der Nutzen dieser verschiedenen Formen der Redelistenführung hat sich in vielen politischen Gremien gezeigt. Viele Geschäftsordnungen schreiben sie sogar vor (willkürlich aus Suchergebnissen gefischte Beispiele: Bsp. 1, Bsp. 2, Bsp. 3).
Noch mehr zu Redelisten und Methoden findet ihr im tollen Redelisten-Zine der „Awareness is awesome“-Seite.
Noch mehr zur demokratietheoretischen Begründung für derlei Verfahren: Bast, Jürgen (2003): Der demokratische Formalismus. In: JDJL Hessen (Hrsg.): Radikaldemokratie-Broschüre. Frankfurt am Main: Eigenpublikation. – Hier online zu finden.