Archive for Februar, 2009

Neue Räume denken!

Montag, Februar 23rd, 2009
  • Di, 18:00, ab 21.4.
  • TuCa (AfE 501)
  • tobias_goll@gmx.de

Tagtäglich bewegen wir uns in und durch Räume – unser Leben findet in Räumen statt. Die Frequentierung dieser Räume wird vom Lebensabschnitt bestimmt: als Schüler_in geht man in die Schule, als Studi in die Uni. Aber genauso wird von dem Raum der Lebensabschnitt bestimmt: man ist Schüler_in, weil man zur Schule geht. Man ist Studierende_r, weil man zur Uni geht. Zwischen Leben und Raum besteht eine Abhängigkeit, die in vielen Fällen so strukturiert ist, dass normative Räume zu strukturierenden Elementen des Lebens werden, sich das Leben aneignen statt umgekehrt. Die Verschränkung von Leben und Raum (vor allem Lehr und Lernräume) soll in diesem Tutorium näher betrachtet werden. Es soll gemeinsam ein Raumbegriff konzeptualisiert werden, der es ermöglichen soll, Raum als Indikator und Generator von Macht, Herrschaft, Sanktion, Gesundheit und Krankheit, Normalität und Abweichung, Exklusion und Inklusion, Wissen und Nicht-Wissen analysierbar zu machen. Dazu sollen einschlägige Texte zur Raumtheorie, literarische oder essayistische Texte gelesen, aber auch Filme geschaut werden, die dazu verhelfen sollen Konzepte des Raums zu ermitteln und zu veranschaulichen.
Gerade auch im Hinblick auf den Umzug aller Fachbereiche in das I.G.-Farben Haus und der Umstrukturierung der Universität wird die Frage der Raumaneignung interessant. Welche Raumaneigungen sind überhaupt möglich innerhalb eines repressiven und regulativen Raumes, der seinen Zweck nunmehr noch darin hat Menschen zuzurichten, als einen Raum zur eigenständigen Bildung zu bieten. Parallelen lassen sich hier natürlich auch zu Schul- und anderen sogenannten Bildungsstätten ziehen. Welche neuen Räume werden denkbar, wenn über Raum nachgedacht wird? Und vor allem, welche neuen Formen des Lebens werden im Anschluss daran denkbar?

Literatur:

  • Benjamin, Walter (1988): Berliner Chronik. 1. Aufl. d. rev. Ausg. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Bibliothek Suhrkamp, 251).
  • Dünne, Jörg; Doetsch, Hermann (2007): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1800).
  • Ecarius, Jutta; Löw, Martina (1997): Raumbildung – Bildungsräume. Über die Verräumlichung sozialer Prozesse. Opladen: Leske + Budrich.
  • Foucault, Michel; Seitter, Walter (1995): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. 1. Aufl., Nachdr. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 184).
  • Foucault, Michel; Daniel Defert/Francois Ewald (2005): Von anderen Räumen. In: Dits et Ecrits, Bd. 4 S. 931-942.
  • Georg Breidenstein (2004): KlassenRäume. eine Analyse räumlicher Bedingungen und Effekte des Schülerhandelns. In: Zeitschrift für qualitative Bildungs-, Beratungs-, und Sozialforschung, H. 1, S. 87–108.
  • Günzel, Stephan (2009): Raumwissenschaften. Orig.-Ausg., 1.Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft, 1891).
  • Haase, Matthias (2005): Outside. Die Politik queerer Räume. 1. Aufl. Berlin: b_books.
    Lefebvre, Henri; Nicholson-Smith, Donald (1991): The production of space. Oxford: Blackwell.
  • Löw, Martina (2001): Raumsoziologie. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1506).
  • Luhmann, Niklas; Lenzen, Dieter (2002): Das Erziehungssystem der Gesellschaft. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1593).
  • Sebald, Winfried G (2006): Austerlitz. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl. (Fischer Taschenbuch, 14864).
  • Walser, Robert (2003): Jakob van Gunten. Ein Tagebuch. 1. Aufl. Zürich: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch, 3484).
  • Willems, Herbert (2008): Lehr(er)buch Soziologie. Für die pädagogischen und soziologischen Studiengänge Band 2. (Springer-11776 /Dig. Serial]). Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-531-90987-5.

Bildung und Literatur: Peter Weiss‘ „Die Ästhetik des Widerstands“

Montag, Februar 23rd, 2009
  • Di, 12:00, ab 21.4.
  • AfE 923
  • stbennew@stud.uni-frankfurt.de

Der erste Band der Romantrilogie „Ästhetik des Widerstands“, die Peter Weiss in der Zeit von 1971-1981 verfasste, soll im Zentrum des Lesekreises stehen. Er handelt von einem jungen Menschen, der während der ersten Jahre Nazideutschlands mit zwei Freunden in Literatur und Kunst nach Anknüpfungspunkten für den antifaschistischen Widerstand sucht. Abgesehen von dieser Bildungsgeschichte der drei Protagonisten, verfasste Weiss den Roman in einer anspruchsvollen Form, die die Leser_innen selbst die Erfahrungen der drei nachvollziehen lässt. Es geht Peter Weiss also nicht um die bloße Darstellung des Widerstandes, sondern vielmehr um die Darstellung einen Bildungsprozess, der sich in der Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der Geschichte, die unter anderem in Kulturgütern entdeckt werden können, vollzieht.
Peter Weiss sagt zu seinem Roman:
„Es werden an den Leser ziemlich hohe Ansprüche gestellt: Ansprüche der Konzentration, des Mitdenkens, des Forschens, der eigenen Aktivität — genau wie ich sie mir beim Schreiben gestellt habe.“ (ZEIT-Interview, 1975)
Wir wollen deswegen gemeinsam versuchen, uns dem Roman anzunähern und interessante bildungstheoretische Aspekte herauszuarbeiten.

Die genaue Ausgestaltung des Tutoriums sowie eine Schwerpunktsetzung können wir bei einer ersten Sitzung besprechen. Denkbar wäre parallel zur Romanlektüre bildungstheoretische Texte zu lesen und gegen Ende des Semesters sich in zwei Blocksitzungen mit dem Roman auseinander zu setzen. (Aber diese nur als Vorschlag!)

Literatur:

  • Weiss, Peter: Ästhetik des Widerstands. Roman. Frankfurt am Main, 2005 (o.a.)
  • Bernhard, Armin: Der Bildungsprozess in einer Epoche der Ambivalenz. Studien zur Bildungsgeschichte in der Ästhetik des Widerstands. Frankfurt am Main (u.a.), 1996
  • Es ist eine Wunschautobiographie. Interview mit Peter Weiss. In: Die Zeit. Nr. 42, 10.10.1975

Auseinandersetzungen um den Triebbegriff

Montag, Februar 23rd, 2009
  • N.N.
  • N.N.
  • spopahen@stud.uni-frankfurt.de

In dieser Arbeitsgruppe soll in einem ersten Teil die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie herausgearbeitet werden, welche in den Beiträgen zur Auseinandersetzung um den Trieb- und Libidobegriff deutlich wird. In Kritik an den Psychoanalyse-Revisionen durch Horney und Fromm Mitte der fünfziger Jahre hielten Horkheimer, Marcuse und Adorno an einer gesellschaftskritischen Tiefendimension bereits in den Freudschen Einsichten fest. Statt wie in den Revisionen das Soziale von außen als Einfluss auf eine vermeintlich vorgängige Einheit Individuum der Psychologie lediglich hinzuzufügen, zeigten sie die Tiefe des formenden Konflikts im Individuum auf, die Verankerung der Herrschaft von Menschen über Menschen in der Triebstruktur. Solche innere Vergesellschaftung menschlicher Natur reproduziert sich von Anfang aller Triebschicksale an, in frühster Kindheit und enthält Implikationen für eine kritische Pädagogik, die im zweiten Teil der Veranstaltung erarbeitet werden sollen.
Der genaue Lektüre- und Veranstaltungsplan wird in den ersten beiden Sitzungen vereinbart.
Wenn Interesse besteht, können auch noch Passagen aus Hagemann-Whites Buch hinzugezogen werden, die sich mit der Kritik der Frauenbewegung an der Psychoanalyse beschäftigen.

Literatur:

  • B. Görlich (Hrsg.), Der Stachel Freud. Beiträge und Dokumente zur Kulturismus-Kritik, Frankfurt 1980 – darin u.a.: Th. W. Adorno, Die revidierte Psychoanalyse; H. Marcuse, Epilog. Kritik des Neo-Freudianischen Revisionismus
  • Th. W. Adorno, Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie
  • R. Jacoby, Soziale Amnesie. Eine Kritik der konformistischen Psychologie von Adler bis Laing, Frankfurt/Main 1978
  • C. Hagemann-White, Frauenbewegung und Psychoanalyse, Frankfurt/Main 1979

Zum Verhältnis von Erziehung, Bildung und Emanzipation bei Bernfeld und Heydorn

Montag, Februar 23rd, 2009
  • N.N.
  • N.N.
  • schwarzerpanther13@web.de

Ist Erziehung notwendiger Weise konservativ? Kann deshalb ein Fortschritt in der Erziehung immer nur Folge eines Fortschritts in der Gesellschaft sein? Und kann niemals umgekehrt ein progressives Erziehungswesen Motor einer emanzipatorischen Entwicklung in der Gesellschaft sein? Diese Überlegungen entsprechen einigen wichtigen, die Siegfried Bernfeld in seinem Hauptwerk „Sysiphos oder die Grenzen der Erziehung“ anstellt. Dem würde Hans-Joachim Heydorn wohl widersprechen. In Anlehung an seine Schrift „Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft“ stünden andere Fragen im Raum: Hat Bildung nicht vielleicht einen dialektischen Charakter? Ohne Zweifel stützt sie bestehende Herrschaftsverhältnisse, in dem sie die heranwachsenden Einzelnen in diese Verhältnisse integriert. Doch gibt sie ihnen vielleicht auch die intellektuellen Mittel an die Hand sich perspektivisch aus diesen Verhältnissen zu befreien? Ganz allgemein soll in diesem Seminar nach die Frage nach den Möglichkeiten von erzieherischem Handeln und der Rolle der Bildung für eine emanzipatorische Entwicklungder Gesellschaft gestellt werden. Für Studenten der Pädagogik könnte die Auseinandersetzung mit diesen Fragen nicht zuletzt im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft interessant sein.
Angedacht ist für dieses Seminar sich zunächst mit den Überlegungen von Bernfeld und Heydorn auseinander zu setzen. Je nach Kenntnisstand und Interesse der Teilnehmendenwären sie unterschiedlich ausführlich zu besprechen. Die zu Grunde liegenden Fragen sollen jedoch möglichst offen diskutiert werden. Will heißen: zusätzliche Texte zum Thema einzubringen ist ausdrücklich erwünscht.

Prima Klima?! Wie das CO2 die Debatte erhitzt.

Montag, Februar 23rd, 2009
  • Do, 18:00, ab 16.4., Termin flexibel
  • TuCa (AfE 501)
  • Robert, lenoeff@gmx.de

Das Thema „Klimawandel“ hat in der Öffentlichkeit seit den 1980er Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und mittlerweile den Impetus, „global“ zu sein. Das heißt, er betrifft jeden Menschen dieser Welt, keiner kann sich vor ihm „schützen“, er ist omnipräsent in Wissenschaft, Politik und (medialer) Öffentlichkeit und wird dennoch kontrovers diskutiert. Im Zuge der Debatte um den Klimawandel ist auch der Naturschutz verstärkt ins Interesse der Umweltpädagogik gerückt. Im Tutorium soll deshalb die Debatte um den Klimawandel und seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nachgezeichnet und seine Bedeutung für die (umwelt)pädagogische Praxis untersucht werden. Die Schwerpunktsetzung (bspw. pol. Mobilisierung durch Werbung und Kampagnen, Wissensproduktion, Klimapolitik, gesellschaftl. Naturverhältnisse etc..) soll in der ersten Sitzung gemeinsam stattfinden.