Architektur und Ideologie

Architektur bildet eine wesentliche Erfahrungsdimension menschlichen Lebens in der Gegenwart und stellt dabei die materialisierte Form gesellschaftlicher Verhältnisse dar. Demnach lässt sie sich in diesem Kontext analysieren und hinterfragen. Das Autonome Tutorium möchte theoretisch und methodologisch die Frage stelle, wie sich eine Kritische Theorie von Architektur und Raum entwickeln lässt. Dieser geht es darum gerade bestimmte architektonische Konstruktionen als Ideologische zu verstehen und zu kritisieren.

Theoretisch sollen dabei u.a. Ausschnitte aus Walter Benjamin Passagen, Architektur und Ideologie von Alfred Lorenzer und interdisziplinäre Ansätze aus den Vorlesungen von Klaus Heinrich gelesen werden. Zudem ist die Beschäftigung mit Ansätzen des Spaziergangs bzw. Flanierens als Forschungsmethode bei Guy Debord und Kracauer angedacht.

Methodisch schließt das Tutorium an die Versuche der empirischen Erforschung von architektonischen Gegenständen in der tiefenhermeneutischen Forschung an (Lorenzer Konzil der Buchhalter, Nagbøl Disziplinierung in Weiß und Macht und Architektur, Uhlig Schmutz). Tiefenhermeneutische Forschung setzt dabei an der Materialität an und versucht durch die Analyse der räumlichen Erfahrung der Subjekte Zugang zu gesellschaftlichen Inhalten der Architektur bzw. Raumgestaltung zu erlangen. Diese Überlegungen sollen aufgegriffen werden und im Autonomen Tutorium diskutiert und in einem kleinen Forschungsprojekt umgesetzt werden. Es werden dabei Grundkenntnisse in tiefenhermeneutischen Forschungsmethoden vermittelt.

Bezogen auf die Erziehungswissenschaften stellt die Frage nach Forschungsmethoden zur Erfassung von architekturellen Realitäten die Grundlage zur Frage nach demokratischen und gelingenden räumlichen Konzeptionen von Museen, so z.B. bei Nagbøl, der in Disziplinierung in Weiß das Frankfurter Architekturmuseum analysiert, die Frage nach der erziehenden Wirkung von Räumlichkeit aufgeworfen wird. Nagbøl problematisiert im Veranstaltungsraum des Architekturmuseum, der als Ort für einen demokratischen Diskurs über die Architektur in Deutschland gedacht ist, dessen autoritär-disziplinierende Wirkung, die einen solchen demokratischen Diskurs verhindert. Diese Perspektive ließe sich auf andere Konzeptionen von Museen, Schulen etc. erweitern. Hier können Lernräume anhand von Erlebnisanalysen daraufhin analysiert werden, inwiefern auch räumlich eine demokratische Struktur oder andere zu vermittelnden Ansprüchen und Identitäten umgesetzt werden.

Je nach Gruppengröße und aktuellen Vorgaben findet das Autonome Tutorium in Präsenz statt. Darüber hinaus sind Ortsbegehungen im Raum Frankfurt geplant. Das Autonome Tutorium beginnt in der zweiten Novemberwoche, wir bitten um Voranmeldung per Mail, darüber wird dann genaueres bekannt gegeben.

Kontakt: Gero: g.menzel@hotmail.de & Tobias: to_re@t-online.de
Startdatum: in der zweiten Novemberhälfte (Voranmeldung per Mail)
Ort: noch unbekannt; je nach Gruppengröße und aktuellen Vorgaben in Präsenz; Ortsbegehungen im Raum Frankfurt
Zeit: noch unbekannt