Der Capability Approach: Verwirklichungschancen und die Gestaltung der Lebenswirklichkeit des Individuums aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive

Der von Amartya Sen entwickelte Capability Approach (auch Befähigungs- oder Verwirklichungschancenansatz) zielt darauf ab, das Wohlergehen von Individuen zu bestimmen und dient dabei auch als Grundlage zur Bestimmung des Human Development Index und Human Poverty Index. Der Capability Approach basiert dabei auf der Annahme von Fähigkeiten (“capabilities” = was eine Person tun könnte) und Funktionen (“functionings” = objektive Verwirklichungschancen) und beschäftigt sich mit der Frage “Was ist das Individuum tatsächlich fähig zu tun und zu sein? Was sind die Chancen und Freiheiten des Individuums? Wie setzt das Individuum seine vorhandenen Ressourcen ein (oder auch nicht) um tätig zu werden?
Insbesondere in der Weiterentwicklung von Martha Nussbaum (“human capabilities”) findet der Capability Approach als theoretisch gut fundiertes Konzept vermehrt eine Anwendung in den Sozialwissenschaften und wird oft als theoretische Grundlage in der Armuts-, Bildungs-, oder Jugendforschung eingesetzt. Im Rahmen des Tutoriums beschäftigen wir uns zuerst mit der Entwicklung, Entstehung und der Grundannahme des Capability Approaches nach Sen, anschließend mit der Weiterentwicklung von Nussbaum, diskutieren verschiedene erziehungswissenschaftliche Studien zum Capability Approach und betrachten den Capability Ansatz als Grundlage einer sozialpädagogischen Perspektive auf menschliches Wohlergehen. Dabei widmen wir uns auch der Frage nach einer Bildungs- und Verteilungsgerechtigkeit im Sinne des Capability-Approaches, sowie die Grenzen des Capability Approaches.

Beginn: Ab dem 25.04.2022 12.00 Uhr c.t., wöchentlich
Format: Präsenz
Raum: TBA
Kontakt: Kerstin Wolf, Erziehungswissenschaften (B.A.)
kerstin.wolf@stud.uni-frankfurt.de

Literaturverzeichnis (vorläufig)

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https://www.bildungsbericht.de/static_pdfs/bildungsbericht-2020.pdf

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Nussbaum, Martha (1999): Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Nussbaum, Martha (2010): Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Oelkers, Nina/Otto, Hans-Uwe/Ziegler, Holger (2008): Handlungsbefähigung und Wohlergehen: Der Capabilities-Ansatz als alternatives Fundament der Bildungs- und Wohlfahrtsforschung, in: Hans-Uwe Otto/Holger Ziegler (Hrsg.): Capabilities ʹ Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Wiesbaden

Pogge, Thomas (2010). A critique of the capability approach. In H. Brighouse & I. Robeyns (Eds.), Measuring Justice (pp. 17-60), Cambrigde: University Press.

Rawls, John (1975). Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Robeyns, Ingrid (2000): An Unworkable Idea or a Promising Alternative? Sen’s Capability Approach Re-examined.

http://www.econ.kuleuven.be/eng/ew/discussionpapers/Dps00/DPS0030.pdf

Röh, Dieter: „…was Menschen zu tun und zu sein in der Lage sind.“ Befähigung und Gerechtigkeit in der Sozialen Arbeit: Der capability approach als integrativer Theorierahmen?! In: Eric Mührel, Birgmeier, Bernd (Hrsg.): Theoriebildung in der Sozialen Arbeit.VS-Verlag, Wiesbaden 2011, S. 103–122.

Schramme, Thomas (2006): Gerechtigkeit und soziale Praxis, Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Ziegle, Holger: Soziale Arbeit und das Gute Leben – Capabilities als sozialpädagogische Kategorie. In: Clemens Sedmak, Bernhard Babic, Reinhold Bauer, Posch (Hrsg.): Der Capability-Approach in sozialwissenschaftlichen Kontexten. VS Verlag, Wiesbaden 2011, S. 131