Nationalsozialismus und Wissenschaft – Ein Autonomes Tutorium mit anschließender Exkursion nach Oświęcim / Auschwitz

Der Name Josef Mengele steht heute stellvertretend für die vielen grausamen Verbrechen, Experimente und Morde, die von Wissenschaftlerinnen in Komplizenschaft mit den Nationalsozialistinnen verübt wurden. Im November 1933 legten 1.000 Professoren bei einer Kundgebung ein Bekenntnis zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat ab. Dennoch ist in vielen Disziplinen die Beschäftigung mit der braunen Vergangenheit und den inhaltlichen sowie historischen Kontinuitäten nach 1945 noch immer unerwünscht.
Welche Verhältnisse haben die reibungslose Einfügung der Universitäten in den nationalsozialistischen Staat ermöglicht, die zu Recht als „Selbst-Gleichschaltung“ bezeichnet wird? Wie gelang es, dass Wissenschaft und Forschung ihre – dem eigenen Anspruch nach wertneutralen – Ergebnisse in den Dienst der Nationalsozialistinnen und ihrer Vernichtungspolitik stellten? Wie waren Wissenschaftlerinnen direkt und indirekt an der Vernichtung beteiligt und welche persönlichen und materiellen Profite zogen sie aus der Kollaboration mit der Diktatur? Wie werden die Verbrechen an deutschen Hochschulen bis heute kleingeredet und bagatellisiert?
Diesen und weiteren Fragen möchten wir uns in einem wöchentlichen Tutorium annähern. Wir behandeln die historischen Grundlagen des NS, deutsche Forschungen zwischen 1933 und 1945, sowie Biographien ausgewählter Wissenschaftler*innen. Statt dabei der These einer „Stunde null“ aufzusitzen, liegt unser Interesse auf dem Erkennen von Kontinuität und postnazistischer Realität nach 1945. Im Februar werden wir dann, begleitet von zwei Gedenkstättenpädagoginnen, eine Exkursion nach Oświęcim durchführen. Hier wollen wir vor Ort den Spuren der schrecklichen Germanisierungs- und Vernichtungspolitik des NS-Regimes in Polen nachgehen.

Vorbereitendes Tutorium: Ab dem 29.10.2019, jeweils Dienstag, 18.00 Uhr (c.t.) im Raum PEG 2.G094
Termin für die Exkursion: 23.02.2020 bis 29.02.2020
Selbstkostenbeitrag: Maximal 200 Euro (Möglichkeiten zu finanzieller Unterstützung klären wir derzeit noch)
Veranstaltet von: Anna Retzer & Hannah Zoller
Kontakt: AT-Gedenkstaettenfahrt@gmx.de

Die Veranstaltung richtet sich an alle Studierenden der Goethe-Universität. Zur Teilnahme an der Exkursion ist ein Besuch des Autonomen Tutoriums obligatorisch. Wir möchten die Veranstaltung in Bezug auf Inhalte und Form partizipativ gestalten und freuen uns auf eure Beiträge und individuellen Interessenschwerpunkte. Keine Sorge: Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

zur Veranstaltung im QIS