Die verwaltete Welt und digitale Pädagogik

Dieses autonome Tutorium möchte sich mit Pädagogik in Zeiten der Digitalisierung beschäftigen. Die Auseinandersetzung soll dabei von dem Konzept der „verwalteten Welt“ geleitet werden. Die „verwaltete Welt“ ist ein Konzept, welches Adorno auf der Grundlage von Max
Weber´s Bürokratietheorie entwickelte (1950). Im Zentrum des Konzepts steht die Annahme, dass die Welt und auch der Mensch an sich immer verwalteter, durchkategorisierter und angepasster wird. Dies gehe einher mit einem immer größeren Anschein von persönlicher Freiheit.
Pädagogik hat traditionell den Anspruch an sich: bessere Menschen oder eine bessere
Gesellschaft schaffen. Dabei werden immer wieder normative Ansprüche formuliert, welche sich entweder an einer Ideologie orientieren oder den bestehenden Verhältnissen nützen. HansJochen Gamm sieht in der Pädagogik sogar eine hohe Affinität zum Faschismus. (Gamm, 1984) In der Geschichte der Menschheit gibt es immer wieder den Ansatz gesellschaftliche
oder allgemeine Probleme durch Technik(en) zu lösen. Künstliche Intelligenz und digitale Lösungsansätze reihen sich hier in eine Tradition ein. Diese sollen die Probleme der Menschheit lösen und werden als objektive Beobachter beschrieben. Nicht reflektiert wird, auf welche Art und Weise Algorithmen selbst auf Kategorisierungen beruhen und diese reproduzieren. Inwieweit die einzelnen Anwendungen nur das Problem lösen und nicht noch andere Daten erheben oder Probleme schaffen, ist dabei oft uneinsichtig. Dabei finden diese Formen der Unterstützung immer mehr Anwendung- nicht nur in chinesischen Klassenräumen. Lässt sich mit der „verwalteten Welt“ von Adorno behaupten, dass die Pädagogik und
der naive Glaube an die Technik sich in dem Bestreben, die Welt kontrolliert, effizient und profitabel zu gestalten einig sind? Mit dieser Frage soll sich das autonome Tutorium beschäftigen und dabei einen nüchternen und kritischen Blick auf die Stärken und Schwächen sowohl der digitalen Revolution im Kontext der Pädagogik als auch der „verwalteten Welt“ entwickeln.


Über mich

Ich bin Malte. Ich studiere im 5 Fachsemester Philosophie und jüdische Kultur und Geschichte und im 4 Fachsemester Erziehungswissenschaften. Ich interessiere mich sehr für Digitalisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Denken von
uns über uns selbst. Ich bin dabei der Meinung das Technik weder gut noch schlecht ist. Ich glaube aber auch, dass wir sehr kritisch und genau sein müssen im Umgang mit neuen technischen Errungenschaften.


Vorübergehende Literaturliste:

• Adorno, Theodor W.; Kultur und Verwaltung. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8: Soziologische Schriften 1.
• Adorno, Theodor W., Horkheimer, Max, Kogon, Eugen; Die verwaltete Welt oder: Die Krise des Individuums. Aufzeichnung eines Gesprächs im Hessischen Rundfunk am 4. September 1950. Abgedruckt in: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 13: Nachgelassene Schriften 1949-1972.
• Crawford, Kate; Atlas of Ai. • Floridi, Luciano; Die 4. Revolution, wie die Infosphäre unser Leben verändert. • Gamm, Hans-Jochen; Führung und Verführung: Pädagogik des Nationalsozialismus.
• Handke, Jürgen; Humanoide Roboter in Bildung und Schule von KI und Digitalisierung.
• Kieser, A.; Max Webers Analyse der Bürokratie. In: A. Kieser, H. Ebers: Organisationstheorien.
• Misselhorn, Catrin Grundfragen der Maschinenethik.
Künstliche Intelligenz und Empathie. Vom Leben mit Emotionserkennung, Sexrobotern & Co.
• Rosengrün, Sebastian, Künstliche Intelligenz zur Einführung. • Searle, John R.; Minds, Brains and Programs. • Weber, Max; Wirtschaft und Gesellschaft – Grundriß der verstehenden Soziologie. • Whitepaper der dualen Hochschule Baden-Württemberg, Dezember 2020, Künstliche Intelligenz in der Bildung der Zukunft- individuell, flexibel, vernetzt und lebenslang?
• https://www.deutschlandfunkkultur.de/kuenstliche-intelligenz-in-china-die-
supermacht-der.979.de.html?dram:article_id=439978